Bayernweiter Selbsthilfefachtag Sucht und Gesundheit

Die Selbsthilfekontaktstelle Bayern (SEKO) hat in Kooperation mit der AWO-Bamberg, der kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) und der Bayerischen Akademie für Sucht- und Gesundheitsfragen - gefördert vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege –     am 20.07.2018 ihre 10. Fachtagung im Bistumshaus St. Otto, Bamberg unter folgendem Leitthema abgehalten: Selbstheilungskräfte aktivieren – ein Weg zu mehr Gesundheit. Die Schirmherrin, Frau MdL Melanie Huml, bayerische Gesundheitsministerin, wies in ihren Grußworten an die ca. 100 Tagungsteilnehmer/innen darauf hin, dass  neben den suchtspezifischen medizinischen, psychiatrischen, stationären oder ambulanten Therapie- und Beratungsinstitutionen für von Abhängigkeit betroffene Menschen gerade die vielfältigen Selbsthilfeeinrichtungen eine bedeutende Rolle in der Therapienachsorge, Abstinenzerhaltung und Familienbegleitung ausüben.

Im einleitenden Plenumsvortrag stellte der langjährige Suchtforscher Dr. Gallus Bischof vom Zentrum für integrative Psychiatrie der Universität Lübeck Studien vor, die zeigen, dass auch ein Teil der substanzabhängigen Betroffenen bei Vorlage bestimmter Parameter ihre Sucht ohne Kontakte zum Suchthilfesystem überwinden, also eine Selbstheilung erreichen können. Jedoch stellt sich mit  der Inanspruchnahme adäquater Hilfsmaßnahmen beim Ausstieg von Suchtmitteln eine deutlich höhere Effektivität und Nachhaltigkeit dar. In Anbetracht dessen, dass ohnehin nur `die Spitze des Eisbergs´, also nur ein kleiner Teil der Abhängigen, die diversen klassischen Suchthilfeeinrichtungen aufsucht, kommt der Suchtselbsthilfe eben eine essentielle Bedeutung zu.

Vier workshops boten den weiteren Tag über Gelegenheit zur Information, wie sich zum Beispiel die renommierten Suchtselbsthilfeverbände Guttempler, Anonyme Alkoholiker, Narcotics Anonymos und  Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe der Problematik widmen, welche konkreten Hilfsangebote und Begleitungsmodi zu einem Weg aus der Sucht bereit gehalten werden und für welches Klientel an Betroffenen die Angebote in Frage kommen. In einem weiteren workshop bestand die Gelegenheit zur Selbsterfahrung bewährter Entspannungsverfahren, die zur Lebensbalance beitragen können.

Bayernweit widmen sich 24 Freundeskreise den vielseitigen Lebensgeschichten von Betroffenen mit ebenso vielseitigen Hilfsangeboten, die sich neben regelmäßigen Gesprächsrunden auch über ein Angebot an Möglichkeiten sinnorientierter Freizeitgestaltung erstrecken. In den Fachschriften des Bundesverbandes der Freundeskreise für Suchtkrankenhilfee.V. werden zahlreiche Facetten von Lebensproblemen und Strategien ihrer Bewältigung diskutiert und veröffentlicht, die regelmäßigen Aktivitäten und Gruppentermine, sowie die aktuellen Aktivangebote finden sich auf der homepage, darüber hinaus besteht in einem chatroom die Möglichkeit zum individuellen Austausch unter Betroffenen und Interessierten.

Als Resümee der Veranstaltung konnten die Tagungsgäste am Ende verinnerlichen, dass die unterschiedlichen Herangehensweisen der  einzelnen Selbsthilfeverbände der Vielschichtigkeit der Suchtproblematik durchaus Rechnung trägt. Der ganzheitliche Ansatz, also den Menschen als Ganzes  bei seiner Lebensbewältigung zu unterstützen, wie es die Freundeskreise für Suchtkrankenhilfe anstreben, stellt sich jedoch als Besonderheit und herausragendes Engagement dar, bei Betroffenen `Selbstheilungskräfte zu aktivieren´. Flyer
Irene, Fk Forchheim