Fachtagung 27. – 29.06.2025
Rückfallprophylaxe –
Hochrisikosituationen erkennen, Strategien entwickeln, Umgang mit Rückfälligen
Referenten: Hartmut Amos, Jessica Tursi
Neugierig und voller Erwartungen trafen sich 23 Teilnehmer/innen: FK-Begleiter/innen, Vorstände und Referenten am Freitag im malerischen Schönstatt/ Allgäu. Von der z. T. langen Anreise noch etwas angespannt kamen wir am ersten Tag auf das psychologische Modell eines Rückfalls zu sprechen, in der Überzeugung, dass wir davor doch gut gefeit seien, zumal jeder von uns seine individuellen Risikosituationen zu kennen glaubt und zu meiden versucht.
Doch im weiteren Verlauf wurde klar, dass lange vor einem rückfälligen Konsum von Suchtmitteln bereits eine Art Frühwarnzeichen stehen, die von uns kaum reflektiert werden. Diese sog. `scheinbar harmlosen Gedanken´ können schleichend unser Verhalten dahingehend beeinflussen, dass die Vermeidungsstrategien, die wir langjährig abstinent Lebenden entwickelt haben, auch nach einem langen Zeitraum unser Suchtmittel verharmlosen, oder sogar einen erneuten Missbrauch zulassen.
Die Tatsache, dass alle Suchtmittel irreversible Veränderungen im Gehirnstoffwechsel vornehmen, macht uns Betroffene lebenslang zu Abhängigen. Unser Gehirn verfügt jedoch über genügend Ressourcen, um entstandene Defizite in der Wahrnehmung sich selbst und dem Umfeld gegenüber wieder wett zu machen. Daher gilt es, achtsam in sich hinein zu fühlen, ob nicht irgendwelche bagatellisierende Emotionen vorhanden sind, ob die Zufriedenheit mit sich und der Welt noch stimmt, oder ob sich irgendwelche Unsicherheiten im Denken und Verhalten eingeschlichen haben. Die abhängigkeitsauslösende Substanz spielt bei allem keine besondere Rolle, sondern das entwickelte Suchtverhalten.
Lebhaft und offen wurden von den Teilnehmer*innen folgende Aspekte diskutiert:
• Kenne ich alle meine Hochrisikosituationen - kann ich sie konkretisieren und vermeiden?
• Gibt es unwesentliche Auffälligkeiten, Gedanken, Veränderungen usw. in meinem Leben, meinem Alltag, bzgl. meiner Freunde, meiner Probleme - kann ich sie bewusst reflektieren?
• Spüre/ fühle ich genug Freude, Ausgleich zur Überforderung, Anerkennung im Umfeld – kann ich Grenzen für mich ziehen?
• Habe ich genügend Schutzmechanismen gegen eine neue Sucht entwickelt – sind es die für mich richtigen/ wirksamsten Vermeidungsstrategien?
Die Arbeitsblätter (Fachklinik Schielberg) „Rückfallvorhersageskala“ und „Abstinenzfördernde Gedanken“ ermöglichen eine ständige Überprüfung des eigenen Status und helfen so, auch in der weiteren Zukunft eine zufriedene Abstinenz aufrecht zu erhalten. Auf den spürbaren Zugewinn an Lebensqualität, die Neuentdeckung neuer und kreativer Strategien z.B. bei der Problembewältigung im Alltag darf ich stolz sein! Dennoch gilt es, immer wieder auf die ´innere Stimme´ zu achten, die auch an die negativen Erfahrungen mit den Suchtmitteln erinnert. Ich wünsche mir, dass meine Mühen (Achtsamkeit, In-mich-Hineinfühlen) sich lohnen, weiterhin zufrieden abstinent zu bleiben (Abstinenzmotivation) und dem Leben noch viele positive Situationen abzugewinnen!
Zum Veranstaltungsende war die Anspannung vom ersten Abend bei den meisten gewichen und ein freudiger Erkenntniszuwachs eingetreten. Irene Braun
Liebe Freundeskreisler*innen,
vom 27. bis 29.06.2025 fand wieder unsere alljährliche Fachtagung in Schönstatt im Allgäu statt, an der Vertreter der verschiedenen Freundeskreise in Bayern teilnehmen können. Vielleicht schaffe ich es ja mit einem kleinen Rückblick, dass sich im nächsten Jahr der/die eine oder andere für eine Teilnahme entscheidet. Ich versuche, nicht so ausschweifend zu werden, was aber eine kleine Herausforderung für mich wird, denn: Wenn ich einmal anfange, kann ich so schnell nicht wieder aufhören.
Anfangen möchte ich mit der schönen Landschaft. Schönstatt auf dem Berg ist ein wunderschöner Flecken Erde. Wer das Glück hat, ein Zimmer mit Balkon zu ergattern, hat einen traumhaften Blick auf die Berge und die wunderbare Natur. Morgens aufzuwachen und das Läuten der Kuhglocken (ja, ihr lest richtig, dort haben die Kühe tatsächlich noch Glocken um den Hals hängen) und keinen Straßenlärm zu hören, ist einfach herrlich. Alles so friedlich, man meint, man ist in einer anderen Welt.
Aber noch wichtiger als der wunderschöne Tagungsort ist die Begegnung und der Austausch mit den anderen Teilnehmern. Entweder man sieht sich endlich mal wieder oder lernt neue Leute kennen. Es entwickeln sich neben der Gruppenarbeit wunderbare persönliche Gespräche, in denen auch neue Ideen für die Arbeit in der Selbsthilfegruppe gefunden werden können.
Ich will gar nicht näher auf das Thema der Tagung (in diesem Jahr „Rückfallprophylaxe“) eingehen, sondern viel lieber über die Gruppendynamik erzählen. Sicherlich kennen es viele von euch aus einer gut funktionierenden Selbsthilfegruppe, dass Offenheit und großes Vertrauen herrscht. „Kein Wunder, man sieht sich jede Woche und kennt sich lange und gut“ mag sich mancher denken. Aber glaubt mir, das ist wirklich nicht so wichtig. Obwohl ich die meisten Teilnehmer sehr lange nicht gesehen oder gar nicht gekannt habe, war von Anfang an dieses Vertrauen und die Offenheit während unserer Gruppenarbeit vorhanden. Ebenso wie in unseren Selbsthilfegruppen wurden auch hier ganz persönliche Dinge eingebracht, die man im „normalen“ Freundes- oder Bekanntenkreis niemals erzählen würde. Woran liegt das wohl? Ich meine es liegt daran, dass uns keiner so gut verstehen kann wie andere Betroffene. Mögen sich die Außenstehenden noch so sehr Mühe geben, ganz verstehen werden sie uns nie. Dieses Gefühl der Geborgenheit in einer Gruppe von Menschen, die nachempfinden können, was in mir vorgeht, möchte ich auf keinen Fall mehr missen. „It´s a kind of magic“ dachte ich auch wieder an diesem Wochenende, weil ich sofort diese Verbundenheit und Geborgenheit gespürt habe.
So, jetzt aber mal wieder weg von der „Gefühlsduselei“: Der Vorteil eines solchen Wochenendes ist auch, dass wir von echten Fachleuten begleitet werden. Jessy und Hartmut sind sehr gute Therapeuten, die ihr Handwerk verstehen und ein offenes Ohr für uns und unsere Probleme haben. Ja, es kann es auch mal unangenehm werden, wenn Sachen angesprochen werden, die man vielleicht lieber nicht hören möchte, aber darüber nachdenken wird man unweigerlich und es kann einen weiterbringen.
So, das war´s jetzt von mir. Mir hat dieses Wochenende wieder sehr gut gefallen und wenn nichts dazwischen kommt, werde ich im nächsten Jahr wieder dabei sein. Vielleicht hast du ja auch Lust dazu, ich würde mich sehr freuen.
Martina vom Freundeskreis Nürnberg